Samstag, 16. September 2017

Der goldene Handschuh

Benannt ist dieser Roman nach dem tatsächlich existierenden Lokal "Zum Goldenen Handschuh", dass in Hamburg St. Pauli seit Jahrzehnten ohne Ruhetag und rund um die Uhr geöffnet hat. Autor Heinz Strunk, mir bislang eher als Schreiber witziger Texte bekannt, liefert in diesem Roman schwere Kost.



Es ist eine Milieu-Studie, es geht sozusagen nach "ganz unten", zu jenen verlorenen und schwer alkoholkranken Seelen, die niemand mehr vermisst, wenn sie mal verschwinden. Es ist die Geschichte um den Serienmörder Fritz Honka, der in den 70er-Jahren mehrere Frauen in seiner Wohnung getötet und zerstückelt hat. Der Gestank der verwesenden Opfer, die er damals in der Tat im titelgebenden Lokal, das in den Kritiken gerne als "Reeperbahn-Kaschemme" bezeichnet wird, sollte ihn schließlich verraten.

Der Roman ist schwer verdaulich, was natürlich dadurch verstärkt wird, dass die wahrlich krasse Story einen realen Hintergrund hat. Aber lesenswert ist jeder der (leider nur) knapp 250 Seiten auf alle Fälle, nicht nur an einem schönen Tag am Strand auf Karpathos, wo ich in dem Fall Ende August das Vergnügen hatte.

Eine echte Rezension gibt es beispielsweise von Tex Rubinowitz auf der Homepage der SZ - hier!

Montag, 11. September 2017

Im Jahr des Panda

Im Jahr 1979 ist der burgenländische Autor Clemens Berger geboren, rund 36 Jahre später durfte ich ihn persönlich kennen- und schätzen lernen. Sein Roman "Im Jahr des Panda" erschien vergangenes Jahr und ich habe mich enorm gefreut, dass ich schon vorab die Leseprobe und kurz nach Erscheinen auch ein persönliches Exemplar von ihm bekam. Rapidler halten halt zusammen, der Oberwarter, längst in Wien heimisch, ist nämlich ein leidenschaftlicher Grün-Weißer, was übrigens auch in diesem fast 700 Seiten starken Werk ersichtlich ist.



Doch mit Fußball hat dieser lesenswerte Roman nur sehr rudimentär zu tun, vielmehr bietet er gleich drei Handlungsstränge, die allerdings miteinander verwoben sind. Klar, es spielt auch ein Panda eine gewichtige Rolle, ein leicht durch geknallter Künstler ebenso und zudem das Pärchen Julian und Pia, die später - anlehnend an den Rapid-Kapitän - den Nachnamen Hofmann annehmen. Es sind schöne Geschichten, die in dem Buch ebenso verpackt sind wie ziemlich eindeutige Kritik am wuchernden Kapitalismus in unserer Gesellschaft. Und deswegen sei es dem Autor, selbst begeisterter Hobbykicker und Mitglied des österreichischen Fußball-Nationalteams österreichischer Autoren sogar verziehen, dass aus Dejan Savicevic im Roman einfach mal Robert Prosinecki wird - fällt außerdem in die Kategorie "künstlerische Freiheit". Lesenswerter Roman, der Lust auf mehr aus der Feder des ballesterer-Kolumnisten macht!