Samstag, 25. Juli 2026

Premiere in Andorra

 Qualifikationsspiele in der UEFA Conference League sind manchmal gleichbedeutend mit vergleichsweise "exotischen" Destinationen". Bescherte mir im Vorjahr Runde 2 eine Premiere in Montenegro, so war es heuer der Kleinstaat Andorra, gelegen auf einer Hochebene in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Der französische Einfluss blieb mir beim relativ kurzen Aufenthalt eher verborgen, die rund 25.000 Einwohner*innen beherbergende Hauptstadt Andorra la Vella (bedeutet "Alt-Andorra") fühlt sich sehr spanisch an, Amtssprache ist katalanisch. 

In Catalunya liegen auch die beiden internationalen Flughäfen, die dem nicht einmal 100.000 Menschen zählenden Andorra relativ nahe liegen. Barcelona und Girona, trotzdem ist der Begriff "nahe" in dem Fall sehr relativ. Für uns ging es am Vormittag mit der mit bis dahin unbekannten "Air Horizon" aus Wien Schwechat los, die Flugnummer "HAT1899" war beim Hinflug fast so gut gewählt wie jene beim Rückflug ("HAT1140"). Fast punktgenau zu High Noon erfolgte die Landung, der Flieger war bis auf den letzten Sitz ausgebucht und in Girona ging es bei mindestens 35 Grad Hitze in die Busse. 

Von dort aus folgte ein rund dreistündige Fahrt in die auf fast genau 1.000 Meter Seehöhe gelegene Hauptstadt von Andorra, die Grenzkontrolle fiel überschaubar aus, obwohl Andorra kein EU-Mitglied ist. Zahlungsmittel ist trotzdem der Euro, die Roaming-Kosten können trotzdem absurd hoch sein, was aber eine "Holafly-E-Sim" zu verhindern wusste.

Auch wenn alle Wetter-Apps aktuelle Temperaturen von knapp unter 30 Grad auswarfen, erwartete uns eine brutale Hitze bei der Ankunft (der Anzeige bei der benachbarten Apotheke, die 35 Grad meldete, traue ich mehr) im durchaus mondänen Teamquartier, einem "Plaza"-Hotel. Knapp vor 16 Uhr schnell auf das Zimmer, rein in kurze Hose und T-Shirt und ein kleiner Snack (für mich natürlich ein Sandwich mit Jamon und Käse!). Um 19:00 Uhr war dann das Abschlusstraining angesetzt, die Fahrt vom Hotel zum Spielort, dem rund 3.300 Personen fassenden Nationalstadion ("Estadi Nacional") war nicht der Rede wert - rund fünf Minuten. Die obligatorische Pressekonferenz fiel aus, denn aus Österreich war kein Medium vor Ort, der hiesige öffentlich-rechtliche Rundfunk war mit einem keine zwei Minuten dauernden Interview mit unserem Coach Johannes Hoff Thorup mehr als happy. Ähnlich überigens dann am Matchtag, denn das Match wurde nicht im herkömmlichen TV-Standard produziert, sondern lediglich für den Wettmarkt und ein Portal namens "Solidsport.com" gestreamt, im letzteren Fall als "Pay-Per-View-Modell" zum regulären Preis von 15 Euro! Zumindest wurde uns von dem sehr kooperativen Portal aber ein Link zu einem stark vergünstigten Angebot (8,99 Euro) für die Rapid-Mitglieder und/oder "Season-Ticket-Holder" zugesichert und auch eingehalten. Die Übertragung klappte, das Feedback jener, die das Match so verfolgt haben, war recht okay und die Herrschaften von Solidsport sehr happy über die Anzahl der Pay-per-Views. Und da die technischen Voraussetzungen im Estadi Nacional überraschend gut waren, boten meine engagierten Kollegen aus dem Digital Media-Team des SCR sogar noch eine gratis Internet-Radio-Übertragung an - gracias, Lukas & Mario! 

Nun denn, Andorra la Vella ist ein sehr nettes Städtchen mit lässigen Lokalen und einigen sehenswerten Foto-Spots (selbst ein Skulptur des großen Salvador Dali ist dort zu sehen - "La noblesse du temps"), doch untertags war es fast zu heiß um die klimatisierten Räume zu verlassen. Für die Sportler sowieso. Doch sobald die Sonne nicht mehr herbrannte (das war spätestens ab Beginn von Abschlusstraining und Match um jeweils 19 Uhr der Fall), war es ganz angenehm. Auf Kunstrasen ging die Partie so über die Bühne, am Ende hieß es 3:1 für "meine" Rapid, eine mehr als gute Ausgangsposition für das Rückspiel kommende Woche in Hütteldorf. Für Klub TV und Medienservice waren meinerseits nach Spielende noch einige Stimmen von Trainer, Geschäftsführer Sport und Spielern einzuholen und zu versenden, knapp vor 22 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zum Flughafen Girona und um 5:30 Uhr öffnete ich meine Wohnungstür in Wien. Ein entspannter Kurz-Trip sieht anders aus, aber wir waren ja nicht zum Spaß hoch oben in der Hochebene! 






Hier ein paar Impressionen:





































Samstag, 18. Juli 2026

Der Kaffeedieb

Im vorletzten Sommer versüßte mit die Lektüre des Romans "Die Erfindung des Lächelns" des deutschen Autors Tom Hillenbrand einen ohnehin schönen Aufenthalt in einem netten Steinhaus hoch über Mošcenička Draga an der kroatischen Riviera. Damals war dieser an historische Ereignisse angelehnte Roman ein Geschenk eines langjährigen und mittlerweile emeritierten Sky-Kommentators, selbiger beschenkte mich aber ein weiteres Mal mit einem Werk des 1972 geborenen und ehemaligen Ressortleiter von SPIEGEL online!




Wieder mit großem historischen Background und der reicht weiter in die Vergangenheit als bei meiner ersten Lektüre, denn nun landen wir als Leserschaft im Jahr 1683 und alles dreht sich - okay, die Überraschung wird sich aufgrund des Titels in Grenzen halten - um Kaffee. Hillenbrand konstruiert auf knapp 470 Seiten ein höchst amüsante und kurzweilige Geschichte, die mich rasch in ihren Bann gezogen hat. Die Hauptfigur, ein dubioser Spekulant und Meisterfälscher von eh alles quasi und namens Obediah Chalon, wuchs mir so wie seine obskure "Bande", die zum Ziel hat, die Kaffeebohne(n) aus Mekka nach Europa zu schmuggeln, irgendwie ans Herz. So wie der ganze Roman, der erstmals vor einem Jahrzehnt erschienen ist und dessen zehnte Taschenbuchausgabe von 2024 mein Leserherz erfreute. Ein großes Vergnügen! 

Mehr zu "Der Kaffeedieb": 
Blog Kaffeehaussitzer (wie passend!) 

Freitag, 3. Juli 2026

Caledonian Road

 Ich kann mich nicht mehr genau entsinnen, wie ich auf dieses Werk gestoßen bin, auf alle Fälle freute ich mich sehr, dass es auf einen kurzen Urlaub auf Kreta mitkam und es ein paar Monate vorher aufgrund meines "Morawa-Merkzetterls" wohl auf dem Gabentisch landete.

Darum geht es: Um einen echten Wälzer des mir bis dato unbekannten schottischen Autors Andrew O´Hagan mit dem Titel "Caledonian Road" (2024 sowohl im englischsprachigen Original als auch ins Deutsche übersetzt bei Ullstein so erschienen). Fast 800 Seiten, angesiedelt im London des Jahres 2021 (Da war doch eine Pandemie), und keine Seite ist es zu viel! 


Mit der schottischen Geburtstadt (Glasgow) des Autors hat der Roman kaum zu tun, die Upper Class von London steht im Mittelpunkt und der Hauptprotagonist der Handlung, ein 52-jähriger Kunsthistoriker und "Promi"-Akademiker namens Campbell Flynn. Rund herum tummeln sich Adelige, Oligarchen und allerlei "Adabeis" - kaum jemand bleibt verschont. Und Dank ruhiger Urlaubstage in und rund Agia Galini war es mir vergönnt, dieses lesenswerte Opus Magnum in wenigen Tagen und in einem Guss genießen zu dürfen. 

Sieben Roman hat der im Jahr 1968 geborene Andrew O´Hagan bereits veröffentlicht, übersetzt sind derzeit neben "Caledonian Road" nur zwei bei meinem favorisierten Online-Buchhändler "morawa" erhältlich. Scheinbar brandneu und im Hardcover mit Veröffentlichungsdatum 30. April 2026 der Roman "Maifliegen" (im Orginal erschien "Mayflies" bereits anno 2020) und als Paperback mit angegebenem Erscheiungsdatum Juli 2018 der Roman "Leuchten über Blackpool" (2015 als "The Illuminations" erschienen und auf der Longlist des Man Booker Prize und aus unerfindlichen Gründen auch auf meinem Morawa-Merkzetterl gelandet, doch bislang nicht erworben). 

Mehr zum wunderbaren Roman "Caledonian Road":
DIE WELT
blog buch-haltung
Deutschlandfunk