Samstag, 12. September 2020

Der Präsident

Der neue Roman des burgenländischen, längst in Wien-Neubau lebenden, Autors Clemens Berger, mit dem ich seit längerer Zeit auch persönlich gut bekannt sein darf. Nach dem großartigen "Im Jahr des Panda" kommt der begeisterte Kicker (und natürlich Rapid-Fan) mit einem ganz anderen Thema daher. 




"Der Präsident" fußt auf einer tatsächlichen Geschichte,  denn in der Tat gab es einen ausgewanderten Burgenländer, der als Double des damaligen Präsidenten Ronald Reagan in den USA "Karriere" machte. Rund herum hat der Autor, der nach Erscheinen des Buches, wie er mir bei der Übergabe des Romans erzählte, einen Verwandten des im Buch mit Namen Jay Immer (eigentlich Julius Imre) heißenden Emigranten zufällig bei einem ORF-Dreh getroffen hat, ein nettes Schelmenstück gesponnen. Etwas mehr als 300 kurzweilige Seiten, die mich gut unterhalten haben. "Gestört" haben mich nur die fehlenden Anführungszeichen bei den Dialogen, aber auch daran gewöhnt man sich. 

Mehr zum Buch gibt es zB auf der Homepage des ORF (Anmerkung: Mir ist allerdings entgangen, dass Jay Immer den damaligen Präsidenten auch bei offiziellen Anlässen gedoubelt hätte....) 

Sonntag, 6. September 2020

Drei auf Reisen

Mal wieder so ein Roman, der aus mir völlig unerfindlichen Gründen über Jahre am großen Stapel der ungelesenen Bücher auf meine Lektüre gewartet hat. "Drei auf Reisen", bereits 2014 erschienen (und ich in etwa so lange in meinem Besitz), ist das Nachfolge-Werk von "Zwei an einem Tag", das dem englischen Autor David Nicholls zurecht einen ziemlichen Erfolg beschert hat.



Ich habe die ersten drei Veröffentlichungen des 1966 in der Grafschaft Hampshire geborenen Schriftstellers in den Jahren 2010 und 2011 gelesen und alle ("Keine weiteren Fragen", "Ewig Zweiter" und eben "Zwei an einem Tag") sehr gemocht, Auch "Drei auf Reisen" reiht sich da ein, eine wunderbare Geschichte über eine dreiköpfige englische Familie, die sich - aus Sicht des Vaters zur Rettung der Ehe - auf einer an Interrail-Stundentrips erinnernde Reise durch Europa, bezeichnet als "Grand Tour", ereignet. Wirklich lesenswert, unterhaltsam und die Lektüre vergeht trotz rund 550 Seiten wie im Fluge! Obwohl die Protagonisten meist mit dem Zug unterwegs sind, u.a. in Italien, Spanien oder den Niederlanden.

Samstag, 5. September 2020

Nullnummer

 Es ist der letzte Roman, den der italienische Universalgelehrte Umberto Eco veröffentlicht hat - "Nullnummer", erschienen ein Jahr vor dem Tode des 1932 im Piemont geborenen Eco, der zurecht Anfang der 1980er Jahre durch seinen großartigen Roman "Der Name der Rose" ("Il nome della rosa"), phantastisch verfilmt mit Sean Connery und Helmut Qualtinger (ein Film, den ich auch als DVD aufbewahrt habe!) weltberühmt wurde.

Ich habe seinen Weltbesteller 2005 mit großer Begeisterung gelesen, war dann vier Jahre später vom Nachfolger "Das Foucaultsche Pendel" (erschienen 1988 als "Il pendolo di Foucault") bitter enttäuscht, weil wohl etwas zu wenig gebildet dafür. "Nullnummer" ist ein dünnes Büchlein - im Original mit dem schönen Titel "Numero Zero" und gilt als Medien- und Politiksatire vor allem im Bezug auf Boulevardjournalismus. So gut und vielversprechend der Klappentext auch klingen mag, kommt auf den nur etwas mehr als 200 Seiten für mich nicht genug rüber. Die Zeitung "Domani" (erst neulich habe ich gelesen, dass nun tatsächlich eine gleichen Namens in Italien auf den Markt kommt), die nie erscheinen soll, steht im Mittelpunkt der Handlung, einer der dafür angestellten Journalisten kommt mit seinen tatsächlichen Recherchen einem handfesten Skandal zu nahe und bezahlt dafür mit dem Leben. 

Ganz kann ich also der harten Rezension von Ingeborg Sperl vom Oktober 2015 im STANDARD nicht widersprechen.