Sonntag, 17. August 2025

Thriller in Dundee

Nach 2018 (Glasgow im Ibrox gegen die Rangers) ging es für mich zum zweiten Mal in beruflicher grün-weißer Mission nach Schottland. Nach einem 2:2 im Hinspiel der 3. Qualirunde zur UEFA Conference League 2025/26 stand am Donnerstag (14. August 2025) bei Dundee United das Rückspiel auf dem Programm!

Wie gewohnt startete die Reise am Tag vor dem Spiel, übrigens drei Tage nach einem tollen Auftritt bei Meister Sturm Graz! In der grünen Mark gelang am Sonntag trotz 0:1-Rückstand bei tropischen Temperaturen ein 2:1-Auswärtssieg, der erste bei den "Schwoazn" seit Juni 2020! Selbstvertrauen sollte also passen.

Relativ spät, gegen 13:30 Uhr MESZ starteten wir mit Austrian Airlines vom VIE und landeten knapp 140 Minuten später am Airport Edinburgh. Von dort standen noch einmal rund 90 Minuten Busfahrt am Programm, es ging direkt ans einem an einem "Aqua Park" gelegene Teamhotel, wo wir mal nur knapp 40 Minuten Aufenthalt hatten. Danach volley in den charmant aus der Zeit gefallenen Tannadice Park, die Heimstätte des Dundee United Football Clubs (direkter Nachbar keine 200 Meter entfernt der Stadtrivale FC Dundee mit seinem Stadion!)! In einem Mini-Medienarbeitsraum eine improvisierte Pressekonferenz mit Trainer Peter Stöger und Kapitän Matti Seidl bei sehr freundlicher Atmosphäre, danach das obligatorische und auf 60 Minuten beschränkte Abschlusstraining. Beeindruckend schon der Eingang für Spieler und Staff, enges Stiegenhaus und noch engere Gänge führen zur Kabine und an einer der Ecken dann raus durch den Tunnel auf den großartig gepflegten Rasen!

Gegen 20 Uhr Ortszeit waren wir retour im Hotel, per pedes dann mit wenigen Kollegen einen Spaziergang in die "Altstadt", rund zehn Minuten später in ein sehr nettes und typisches Pub. Gemein nur, dass dort nach 20:30 Uhr keine Chance mehr auf Essen gegeben war, ein kurdischer Döner-Shop rettete (nicht nur) mich.

Am Matchtag begann es am Nachmittag sintflutartig zu schütten, in Dundee musste sogar ein Shopping Center evakuiert werden, in der City verwandelte sich die Straßen und Fußgängerzonen in Bäche, viele Pubs und Geschäfte kämpften mit nicht unwesentlichen Mengen an Wasser in ihren Indoor-Bereichen, mein Plan für einen Pub-Burger fiel buchstäblich ins Wasser, da auch die Küche im von uns vor dem großen Regen gewählten Lokal aufgrund des eindringenden flüssigen Elements "out off order" war.......

Egal, Highlight sollte ohnehin das Match (Ankick 19:45 Uhr Ortszeit) werden. Ausverkauftes Haus, gefühlt sorgten mindestens 20.000 für eine grandiose Stimmung (offizielle Zuschauerzahl war allerdings nur 12.336), auch die rund 500 mitgereisten Rapid-Fans waren in Hochform. Nach einem 0:2-Pausenrückstand und bärenstarken Gastgebern in ihren orangen Dressen (Tangerines und somit eher Mandarinen) war die Hoffnung auf den Aufstieg bei vielen (mich eingeschlossen) nur mehr sehr gering. Aufgrund des extrem strikten Rauchverbotes war ich noch fertiger als ohnehin, zumindest in der Pause der regulären Spielzeit konnte ich außerhalb des Stadions einen Nikotinschub einlegen. Janis Antiste und Ercan Kara sorgten auf alle Fälle noch für den Ausgleich, in der Verlängerung fiel kein Tor mehr uns so kam es zum ersten Elfmeterschießen für den SK Rapid in einem UEFA-Bewerb und das in seinem 333. Europacupspiel! Und endete mit einem Happy-End, alle fünf Schützen trafen, während der erste der aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber nur die Stange erwischte. Grenzenloser Jubel, unglaubliche Freude und im Teamhotel, das von Außen wie ein Ostblockbau aus den 1960-er-Jahren aussah, aber innen recht okay war, wartete dann doch noch ein Burger auf mich und dazu ein paar kleine Biere (lustigerweise aus italienischer Produktion....) vor dem Einschlafen.

Am Freitag dann um 13:00 Uhr Ortszeit per Bus wieder nach Edinburgh, den Airport zeichnen riesige Pubs mit großer Bierauswahl aus. Die Verspätung beim Abflug störte kaum jemanden und kurz vor 20:00 Uhr begaben wir uns vom Flughafen Wien Schwechat individuell zur ganz finalen Heimfahrt, in meinem Fall via Schnellbahn und Bim bis ins schöne Margareten, wo das zweite Highlight der Woche nach dem grandiosen Europacupmatch wartete - ein echtes mitteleuropäisches Abendessen und ein feines Weißbier! 

Einige Impressionen:













































Sonntag, 3. August 2025

Going Zero

Nach rund sieben Jahren Pause mal wieder einen Roman von Anthony McCarten genießen dürfen. Der neuseeländische Autor begeisterte mich schon öfter, lediglich sein letzter (von mir 2018 gelesene) Roman mit dem Titel "Jack" erschien mir eher mau. Dafür ist der 2023 und damit aktuellste Output wieder richtig packend.




"Going Zero" ist auch zwei Jahre später brandaktuell, McCarten, der auch als Drehbuchautor bekannt ist ("Die zwei Päpste", "Die dunkelste Stunde" zum Beispiel), hat hier eine Vorlage für einen hochspannenden Thriller, der gut als Serie verfilmt werden könnte, hingezaubert. Etwas mehr als 450 Seiten lang liefert er beklemmende Einblicke, wie gläsern wir Menschen, vor allem jene, die sich gerne in den sozialen Medien bewegen, tatsächlich sind. McCarten hat den Roman vor dem derzeit erst richtig startenden Siegeszug der KI verfasst, es ist wohl keine Dystopie, sondern eher eine gar nicht so unrealistische Schilderung unserer Gegenwart. "Going Zero" beschreibt ein Projekt eines fiktiven Mega-Digital-Konzerns namens "WorldShare" in Zusammenarbeit mit der CIA und die Tatsache, wie es heute fast unmöglich ist, unauffindbar zu sein. Nur eine von zehn Kandidat:innen macht dem Projekt einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Coole Lektüre, mittlerweile auch als Taschenbauch beim Diogenes Verlag aus Zürich erhältlich!

Sonntag, 27. Juli 2025

Premiere in Montenegro

Ein weiterer europäischer Länderpunkt auf der persönlichen Fußball-Karte ist abgeholt. Erstmals ging es für mich und zudem für den SK Rapid in seiner nun 70-jährigen Europacuphistorie zu einem Match nach Montenegro. Anlass, das Hinspiel im Rahmen der zweiten Qualifikationsrunde zu UEFA Conference League 2025/26. Gegner war der mir bis dahin unbekannt FK Dečić aus dem kleinen Städtchen Tuzi, rund 25 Autobusminuten von der Hauptstadt Podgorica.

Dorthin ging auch unser AUA-Flug. Um 12:36 Uhr landeten wir im bei weitem nicht vollen Airbus mit dem schönen Namen Weinviertel bei brütender Hitze. An der Nachfrage lag es nicht, dass die VIP- und/oder Fanreise nicht besser angenommen wurde, aber da der Austragungsort das Mini-Stadion unserer Gastgeber namens Tuško Polje lediglich 1.080 Plätze aufweist, war das grün-weiße Kontingent dementsprechend überschaubar.

Bei fast 40 Grad ging es auf alle Fälle mit dem Bus ca. 15 Minuten vom Flughafen zum etwas außerhalb der Hauptstadt gelegenen Hotel „Voco“. Dort gab es ein für mich zunächst unverständliches großes „Hallo“ für einen unserer Neuzugänge! Er wurde umarmt, geherzt und als ich das Outfit der Begrüßer sah, war mir klar warum. Ebenfalls zu Gat im „Voco“ war der Ex-Klub von Jean Harisson Marcien (der so geherzt) wurde, Beitar Jerusalem. Vom israelischen Verein wechselte „Hari“ erst Anfang des Monats zu Rapid.

Nach einem späten Mittagessen machte ich mich als „Vorhut“ mit Lukas Marek auf den Weg ins Stadion, der „Kit-Van“, ein Kastenwagen mit zwei Sitzplätzen neben dem Fahrer, war unser Transportmittel. Leider mit defekter Air-Condition, demensprechend durchschwitzt kamen wir im Tuško Polje an. Erinnert mehr an eine Spielstätte eines unterklassigen Amateurklubs, aber die einzige Tribüne, erbaut 2024, erfüllt alle Bedürfnisse. Wir wurden überaus gastfreundlich begrüßt, der Zeugwart von Dečić plauderte Deutsch mit uns, alle anderen in gutem Englisch. Eine Premiere gab es etwas später für mich auch. Erstmals entfiel die Pressekonferenz, lediglich ein einheimischer Journalist fand den Weg ins Stadion, wir beschlossen zu seiner Freude ein One-To-One-Gespräch mit unserem Coach in englischer Sprache zu machen. Übersetzer wäre – wie am Matchtag – ohnehin keiner vor Ort gewesen! 

Nach dem Abschlusstraining bei fast unerträglicher Hitze ging es wieder retour ins Hotel, nach einer kühlen Dusche, etwas Arbeiten und einem durchaus genießbaren einheimischen Seidl Bier (Marke „Nikšićko“) teilte wir uns ein Taxi ins City-Center, für rund 20 Fahrminuten mit 7,70 Euro ein sehr fairer Preis. Im sehr netten Restaurant namens „Pod Volat“ folgte ein wahrer Festschmaus (typische und mir sehr taugende Balkanküche) zu ebenfalls für mitteleuropäische Verhältnisse günstigen Preisen. Ein kurzer Spaziergang zeigte, dass die Sehenswürdigkeiten von Podgorica sprichwörtlich überschaubar sind, das örtliche „Hard Rock Café“ stach zumindest positiv hervor. Nach einem kurzen Abstecher in der tollen Roof-Top-Bar des Hilton Hotels (dort waren die wenigen mitgereisten Medienvertreter sowie die Teilnehmenden an der VIP-Reise mondän untergebracht) bei noch immer fast 30 Grad knapp nach Mitternacht wieder retour ins Teamquartier.

Dort – man glaubt es kaum – gab es für mich noch ein als „Raucher“ ausgewiesenes Zimmer, was natürlich ausgenutzt wurde. In Wirklichkeit gab es einen Extra-Raum, der eine Art Wintergarten war und wo ich es mir noch mit Wasser, einem Kaffee, Zigaretten und dem MacBook gemütlich machte und bis fast 3 Uhr früh arbeitete. 

Wenige Stunde später startete ich überraschend frisch und nach der nächsten kühlen Dusche in den Matchtag. Es war gefühlt noch heißer, auch wenn die offizielle Temperaturangabe bei 38 Grad blieb. Auf das geplante Sightseeing nach dem Mittagessen verzichtete ich aufgrund der fehlenden Sehenswürdigkeiten und der extremen Hitze, pendelte im Hotel zwischen Bar (Kaffee, Orange Juice, Wasser & Coke) und meinem Raucher-Arbeitszimmer. Auch am Abend beim Match blieb es drückend schwül, ein Highlight machte mir schon vor Ankick große Freude. Unser Ex-Spieler Dejan Savičević, mit dem ich in meinem ersten Arbeitsjahr u.a. einen skurillen Fototermin bei gefühlt 20 Grad am Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz für das Rapid Magazin machen durfte, war vor Ort und wurde zurecht von den mitgereisten Rapid-Fans abgefeiert. Auch ich ließ mir die Gelegenheit für ein gemeinsames Foto nicht entgehen!

Ach ja, das Match sollte nicht vergessen werden. Nach eher schleppendem Beginn fuhr unsere Mannschaft einen schließlich ungefährdeten Sieg ein, das 2:0 sollte den Aufstieg in die nächste Runde schon fast sichern. Besonders freuen durfte sich unser Neuzugang Jannes Horn, der bei seinem Pflichtspieldebüt per Kopf traf, es war unglaublicherweise sein allerstes Tor in einem Bewerbsspiel als Profifußballer!

Knapp nach Mitternacht kamen wir auf alle Fälle wieder im Teamhotel an, einen kleine Happen zum Essen und zwei, drei kleine Bier (leider nur „Tuborg“ verfügbar) gönnte ich mir noch und nach einem kurzen, aber erholsamen Schlaf sowie der sechsten kühlen Dusche innerhalb von knapp 42 Stunden ging es ab zum Flughafen Podgorica, um 15:00 Uhr dann Ankunft in der heimatlichen Wohnung in Margareten! Vergleichsweise saukalt bei maximal 25 Grad, an diesem Tag nicht unangenehm! Rückspiel am 31. Juli in Wien-West-Hütteldorf! 

Einige Impressionen von der Reise: