Dienstag, 30. Dezember 2025

Balkan-Odyssee zum Jahresabschluss

Das hat es kurz vor Weihnachten noch ganz besonders gebraucht! Am 18. Dezember stand unser 54. und letztes Pflichtspiel des Jahres 2025 am Programm, ein Gastspiel beim HSK (Hrvatski Sportski Klub = Kroatischer Sportklub) Zrinjski Mostar in Bosnien-Herzegowina auf dem Programm. Doch dort musst du erst mal hinkommen......

Los ging es zunächst plangemäß um 12:00 Uhr mit einem Charterflieger der polnischen Enter Air, um 13:15 Uhr ("in about one hour" informierte der Pilot noch per Bordmikro während des Steigflugs über Wien) sollten wir in Mostar landen. Doch während des Sinkflugs informierte der Herr Kapitän (also nicht jener der Mannschaft, sondern jener der Bord-Crew), dass wir aufgrund schlechte Witterungsbedingungen nicht in Mostar und auch nicht in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo landen könnten und umgeleitet werden. Gesagt, getan und um 13:35 Uhr landeten wir im kroatischen Dubrovnik. Unser Betreuer von der Reiseagentur sowie einige meine Kolleg:innen drückten auf die Tube und schafften es, dass für insgesamt 139 Fluggäste (darunter die gesamte Mannschaft natürlich) drei Busse organisiert wurden, die uns exakt zwei Stunden nach der Landung vom Flughafen abholten. "Nur" knapp 150 Kilometer sind es von Dubrovnik nach Mostar, aber alles Landstraße und eine EU-Außengrenze ist auch dazwischen. Zudem durften Busse und Fahrer uns mal nur über die Grenze bringen, danach ging es in anderen Fahrzeugen auf der bosnischen Seite weiter! Planmässig hätten wir um 16:30 Uhr im Stadion zu Mostar die obligatorische Pressekonferenz gehabt und eine halbe Stunde später das traditionelle Abschlusstraining am selben Ort. Um diese Zeit gondelten wir noch irgendwo an der kroatischen Küste herum, knapp nach 20:00 Uhr kamen wir erst im Stadion Bijeli Brijek an. PK war keine mehr notwendig, da keine einheimische Medien so lange warten wollten und die mitreisenden österreichischen bereits mehrfach versorgt wurden, also haben wir es bei kurzem Interview mit Interimstrainer Stefan Kulovits für unser Rapid TV belassen - hat gereicht......

Um 19:00 Uhr wäre eigentlich für die mitgereiste "Non-Sports"-Crew ein gemeinsames Abendessen mit Präsidium und Geschäftsführung hoch über Mostar angesetzt gewesen, dies begann logischerweise auch etwas später und für mich und meinen Kollegen Bernhard, unseren "Main Contact" für die UEFA, der so wie ich im Stadion weilen musste, noch später. Dafür war es sehr gut, auch wenn wir für An- und Rückreise ungefähr gleich lange in Taxis saßen wie im Lokal! Tollerweise war nach Rückkehr in unser Teamhotel, das ich vorher schon ca. zwei Minuten lang gesehen hatte, nicht nur die Hotelbar geschlossen, sondern auch im Umkreis von mindestens einer Viertelstunde kein Lokal offen. Daher mal bald an einem MD-1 in die Federn, von der Anreise war ich allerdings eh hundemüde.

Am Matchtag hatte ich viel zu arbeiten, trotzdem blieben rund drei Stunden Zeit für Sightseeing (wunderschöne Altstadt mit der weltberühmten Brücke "Stari Most") und ein landestypisches (und großartiges) Essen mit einigen Kollegen nur wenige Meter von dieser im 16. Jahrhundert erbauten und in den 1990-er-Jahren während des Jugoslawien-Krieges zerstörten Brücke. 

Um 21:00 Uhr folgte dann im wirklich nicht UEFA-tauglichen Stadion endlich der Ankick zum Match und trotz überschaubarer Leistung sah es lange nach dem ersten Sieg im letzten Spiel der Ligaphase der UEFA Conference League aus. Tief in der Nachspielzeit aber ein Eigentor unserer Burschen, ich habe es nicht gesehen, da ich gerade am Weg von der Pressetribüne aufs Spielfeld war. Angeschaut habe ich es mir bis heute nicht, am Ende blieb ein 1:1-Remis über. Und danach wieder große Freude, denn das Flugzeug, das uns um 1:35 Uhr wieder nach Wien bringen sollte, konnte nicht landen und somit hieß es: "One more night in Mostar". Retour ins Hotel, dort wurden wir mit durchaus essbaren Burgern provisorisch ernährt und - alles Schlechte hat sein Gutes - war ausreichend kroatisches Bier in gut gekühlten 0,3 Liter Flaschen erhältlich. Bis zum frühen Morgen sogar. Der geplante Rückflug um 12:00 Uhr am Freitag verzögerte sich dann auch noch, so bekamen wir wenigstens im Outdoor-Café des Airport Mostar noch einige Sonnenstrahlen ab. Erst gegen 19:00 Uhr, viele Stunde später als geplant, war ich dann wieder in meiner Wohnung in Margareten. Gut, dass dieses Fußballjahr nun vorbei ist.

Einige Impressionen dieser speziellen Auswärtsreise:

































Dienstag, 23. Dezember 2025

88 Namen

Als ich vor 30 Jahren, anno 1995, den Roman "Fool on the hill" vom amerikanischen Autor Matt Ruff las, war ich hin und weg, sein Debütroman wurde nicht umsonst zu einem Kultbuch. Sein Werk Nummer 3 mit dem schönen deutschen Titel "Ich und die anderen" (von mir gelesen anno 2004 rund um die unvergessliche EURO mit Champion Griechenland) haute mich überhaupt fast vom Hocker - genial.

Danach - und das waren inklusive "88 Namen" ohnehin lediglich vier weitere Roman - endete die Liebesbeziehung zwischen dem Autor und mir als Leser eher. "Bad Monkeys", "Mirage" und "Lovecraft Country" waren okay, aber nicht mehr. Letztes habe ich im Corona Jahr 2020 gelesen und damals kam auch "88 Namen" (im Original "88 Names") im Original und auf Deutsch auf den Markt. Wieder eine sehr, sehr schräge Story, der Klappentext ließ mich wirklich auf ein "Comeback" hoffen, aber es war (für mich) eine zähe Lektüre.



Über die rund 330 Seiten habe ich mich teilweise regelrecht gequält, ich vermute, dass es vielen, die keine Freaks um Online-Videospiele sind, ähnlich geht. Zumindest gab es einige wenige Kapitel, die dann auch für mich verständlich waren und da hoffte ich dann stets, dass mich Mister Ruff jetzt abgeholt hat. Leider nicht, aber schauen wir mal, was der 1965 in New York geborene Autor für die Zukunft noch im Köcher hat........ - eine Neuerscheinung für die nahe Zukunft ist meines Wissens nicht angekündigt, aber dafür legt der Hanser Verlag die beiden oben schon erwähnten Hammer-Romane "Fool on the Hill" sowie "Ich und die anderen" nächstes Jahr neu auf - ab 17. Februar erhältlich und wer diese noch nicht kennt, darf sich auf fast 1.300 Seiten bestes Lesevergnügen freuen! Ich überlege ernsthaft ein Wiederlesen ;-) 

Mehr zu "88 Namen":

Samstag, 6. Dezember 2025

Das achte Leben

Was für ein Mammutwerk! Lustigerweise bekam ich diesen opulenten Familienroman der in Georgien aufgewachsenen und in Deutschland lebenden Autorin Nino Haratischwili dieses Jahr gleich doppelt geschenkt. Und das, obwohl es sich um keinen aktuellen Bestseller handelt, sondern ein Werk, das bereits im Jahr 2014 erschienen ist.




"Das achte Leben (Für Brilka)" ist wie gemalt für lange Lesestunden am Strand und die ersten 700 von fast 1.300 (!) Seiten konnte ich mir noch in den letzten Tage im Süden Kretas gönnen. Den Rest dann über mehrere November-Wochen hinweg in Wien, auch hier ein Lesegenuss.

Die 1983 in Tiflis geborene Autorin entführt die Leserschaft in eine über Generationen handelnde (fiktive) Familiengeschichte die sich von der Zarenzeit bis ins beginnende neue Jahrtausend spinnt. Packend und interessant, zudem eine Reise in die Geschichte Georgiens, Russlands und der Sowjetunion. Auch Wien spielt immer wieder eine zentrale Rolle und trotz des epischen Umfangs konnte zumindest ich keine Längen im Roman erkennen. Daher eine absolute Leseempfehlung.

Mehr zu "Das achte Leben (Für Brilka)" u.a. hier:
DER SPIEGEL
Blog "Die Schreibmaschine"
Deutschlandfunk